In unserer Zeit

Mehr denn je ist die Zuversicht nicht meine Heimat. Ich verzweifle an der Wirklichkeit, der ich zu entfliehen versuche. All das ist in meinem Kopf, es nistet sich ein. Gedanken kreisen umher, ohne je einen Endpunkt zu finden. Lost in universe. Es gibt keine Wirklichkeit

Nicht allein


Das Meer nimmt all unsere Gedanken auf. All unsere Sorgen können wir dem Meer anvertrauen.
Irgendwo, an irgendeinem Strand, steht ein Mensch, der diese Gedanken aufnimmt.

Dann, nach einer Weile, kommen sie zu dir zurück und du weißt, das du nicht alleine bist auf dieser Welt

Am Morgen

Am frühen Morgen, die Sonne ist soeben am Horizont erschienen, da liegt ein dichter Nebel auf dem Feld. Zart berührt er das Gras. Es ist, als ob eine weiße weiche Daunendecke darüber liegt. Es ist still. Alles erscheint wie am ersten Tag der Welt. Dann sehe ich zwei Rehe im Nebel stehen. Ihre Beine vom Nebel verschluckt, stehen sie sich gegenüber. Sie schauen sich an, ihre Köpfe ganz nah zueinander gewandt. Nur einen kleinen Moment schauen sie zu mir herüber, dann wenden sie sich wieder einander zu.

Wintergedanken

Der harte kalte Winterboden

Er verhüllt seine Schätze gut

Im Frühling dann 

Bricht alles Schöne aus im heraus

Die Dunkelheit des Winters

Sie bricht entzwei

Aus Altem entsteht Neues

Schönheit entsteht nur aus Hässlichkeit

So sehe im Winter nicht die Dunkelheit 

Sondern das Licht

das alsbald aus ihm herausbricht 

Ohne Winter keinen Frühling 

Ohne Frühling keinen Sommer

Ohne Sommer keinen Herbst

Ohne Herbst keinen Winter

So läuft die Zeit Stunde um Stunde

Von Tag zu Tag 

Von Monat zu Monat

Von Jahr zu Jahr

Alles in unserem Leben wiederholt sich 

Und doch bleibt nichts gleich.

Veränderungen bringen wir nur selbst hervor.

Sonntagmorgen im Winter

Die Luft ist klar und kalt. Ein stiller Sonntagmorgen. 

Der vergangene Regen lässt Büsche und Bäume und Gräser glitzern. 

Vögel zwitschern, Raben krächzen.

Am Wegesrand im Unterholz raschelt es. Enten schwimmen auf dem Teich, er ist ganz still und spiegelglatt.

Von Ferne höre ich das Wasser des kleinen Waldbachs rauschen.

Der weiche Waldboden federt jeden meiner Schritte ab.

Und ganz tief in mir verspüre ich eine wohlige Wärme

Es ist Herbst

Am frühen Morgen barfuß über den Rasen tanzen. 

Die kalte Luft des Septembers in die Lungen strömen lassen. 

Die Stille des Morgens beim ersten Spaziergang mit dem Hund erleben. 

Der Weg, er führt entlang am satten, in Tau gelegtem Grün, hinein ins strahlende Licht der reflektierenden Wassertropfen. 

Die Sonne findet ihren Weg durch das noch dichte Blattwerk der Bäume. 

Von Ferne rauscht das Wasser am großen Teich in die Gräben. Es ist Herbst.

Train

Er rattert und knattert auf den Schienen, der Zug zieht seine Schneisen durch die Dunkelheit, taucht in mir fremden Städten auf, entleert sich an irgendwelchen trostlosen und dreckigen Bahnhöfen wie ein Organismus um gleich wieder eine unzählige Schar an Menschen in seinen stählernen Bauch aufzunehmen, sie taumeln wie Betrunkene durch die Gänge, suchen mit wirren Blicken ihre Plätze, wuchten tonnenschwere Koffer in das Gepäckregal, als ob sie auf der Flucht wären. Sie nehmen Platz in den noch warmen Sitzen, breiten sich aus, als ob sie Tage hier verbringen wollten. Zeitungen werden hervorgeholt, sind sie erst gelesen, bleiben sie vor dem Aussteigen einfach liegen. Die nächsten Zuggäste trampeln darüber hinweg, schimpfen um ebenfalls den ganzen Müll, den sie im Zug produzieren, gleichfalls liegen zu lassen. 

So leben alle für eine kurze Zeit in einer Welt, in der sich niemand wohlfühlen kann, ist sie doch wie Meteorit auf der Flucht vor sich selbst. 

Auf den namenlosen Bahnhöfen den der Zug links und rechts von sich liegen lässt, erkennt man nichts, höchstens ein Bündel Kleider das auf einer Bank liegt. Alkohol lässt die Konturen von Menschen verschwinden. 

Je näher die Provinz kommt, umso weniger Menschen sind in den Abteilen. Bis man ganz alleine ist und das Gefühl aufkommt, der Zug würde nun direkt in die Hölle fahren, Nichts bleibt von einer Orientierung, die einem täglich hilft durch das Leben zu kommen. Nur die Hoffnung, dass da ganz vorne im Zug noch ein Mensch die Kontrolle über diesen schienenglühenden Lindwurm hat. 

So hoffe ich, dass mich der Lindwurm an meinem Bahnhof noch ausspuckt, bevor er weiter in die Verdammnis fährt. Vom Bahnhof werde ich müdetaumelend mein Auto suchen. Die Welt hat mich wieder.

Das Ende des Sommers

Es ist erst August, dennoch sind die Zeichen, die das Ende des Sommers ankündigen, nicht zu übersehen. 

Sommergerste und Roggen, der Raps ohnehin, sie sind geerntet. Die Traktoren sind jetzt auf den Feldern und zerkleinern mit großen Maschinen die Stoppelreste der Felder. 

Es ist dieser Duft, eine feine Mischung von Stroh und frischer Erde. Sie kündigen von dem immer wiederkehrenden Rhythmus der Jahreszeiten. 

Wenn erst der Mais und danach die Kartoffeln und Rüben geerntet werden, dann ist der Herbst in seiner ganzen farblichen Pracht da. Die Zeit, an dem der Nebel am frühen Morgen aus den kahlen Feldern steigt.

Bevor der graue und trostlose Monat November versucht, uns die Lust am Leben zu trüben, beginnt jetzt die schönste Jahreszeit, die eigentlich keine ist:  

Die Zeit zwischen Sommer und Herbst. 

Nach dem Regen

Am frühen Morgen barfuß über den nassen Rasen tanzen.

Die frische, kühle Luft in die Lungen strömen lassen. Die Stille des Morgens beim ersten Spaziergang mit dem Hund erleben. Der Weg, er führt entlang am satten in Tau gelegtem Grün hinein in das strahlende Licht der reflektierenden Wassertropfen. Die Sonne findet ihren Weg durch das dichte Blattwerk der Bäume. Von Ferne rauscht das Wasser am großen Teich in die Gräben. Der Tag kann kommen.